Brigitte Windt

Texte und Illustrationen zum Selbstständigsein

VERBINDLICHKEIT

| Keine Kommentare

Verbindlichkeit

Wie Sie wissen, traf ich am 25.03.2016 im Rahmen dieser Blog-Parade | 30-Tages-Challenge die Vereinbarung mit mir selbst, mich über vierundzwanzig Tage dem Wert Verbindlichkeit zuzuwenden, habe sie unterzeichnet und veröffentlicht. Allein diese Tatsache stellt eine Verbindlichkeit dar, Ihnen und mir selbst gegenüber, die ich erfüllen will. Eine Verbindlichkeit in Sachen Verbindlichkeit. Eine Dopplung und Verstärkung dieses Wertes.

Bereits zu diesem Zeitpunkt war mir bewusst, dass es Leichteres gibt als mich auf dieses Unterfangen einzulassen. Doch wenn die Intuition klare Worte spricht und ich bereit bin, sie zu hören, dann habe ich ihr zu folgen. Das ist Akzeptanz! (Mein Wert im ersten Teil.) Daraus eine Vereinbarung abzuleiten, ist die Erklärung des Willens. Mich anschließend daran zu halten, das ist Verbindlichkeit.

verbindlichkeit2

Mit anderen Worten, einer Verbindlichkeit geht stets etwas voraus:

eine Verbindung mindestens zweier Bezugspunkte. Der zentrale Punkt bin ich selbst, meine Intuition oder meine innere Wahrheit. Der zweite Punkt bin auch ich. Ich, der mit der Welt interagierende Mensch. Punkt drei kann ein anderer Mensch sein, eine Sache oder eine Situation. Im Falle dieser Blog-Parade | 30-Tages-Challenge sind Sie Punkt drei, liebe Leserinnen und liebe Leser, in Summe und in Vertretung der Öffentlichkeit. Sobald Sie und ich direkt miteinander kommunizieren, sind Sie ebenfalls Punkt drei, allerdings sind Sie dann mein, bin ich Ihr, persönlicher Bezugspunkt. Sie und ich stellen eine direkte Verbindung her, eine Beziehung. Das heißt, jeder Verbindlichkeit geht eine Beziehung voraus und jede Verbindlichkeit beinhaltet eine Beziehung.

beziehungen_brigitte_windt_2016

Maßgeblich für jede Interaktion ist und bleibt jedoch die Beziehung zwischen selbst und ich.

Diese Beziehung ist der wichtigste Teil in allen Beziehungen, die ein Mensch haben kann. Ja, in unserer Sprache sagen wir, dass wir eine Beziehung haben. Aus der Sicht von Verbindlichkeit wäre die Formulierung, ich lebe die Beziehung oder ich bin in Beziehung mit mir, mit Dir, mit Euch, mit dieser Sache und Situation. Meine Tochter bringt es auf den Punkt, wenn sie über ein Zusammensein mit Freunden sagt, ich bin mit …! Wie es der Zufall will, begegne ich gestern bei Irwin D. Yalom einem Zitat von Platon. Wir können den tiefsten Teil unseres Selbst nicht belügen! Auch damit fühle ich mich in bester Gesellschaft.

Nun, der Einfachheit halber schreibe ich im vertrauten Sprachgebrauch weiter. Ich habe also mit dieser Tatsache und Weisheit über mehr als drei Wochen gelebt. Mit jedem Gedanken dachte ich auch – an Verbindlichkeit. In jeder Emotion schwang Verbindlichkeit mit. Im Gespräch und in allen alltäglichen, privaten und beruflichen Taten war Verbindlichkeit gegenwärtig. Selbst in meinen Träumen!

Verbindlichkeit stand augenblicklich im Raum, sobald ich nur daran dachte, vom Kurs routinierter Verrichtungen abzuweichen. Erlaubte ich mir trotzdem kleine Vernachlässigungen oder Übertreibungen, prüfte ich den Grad der Abweichung mit Hilfe meiner inneren Stimme. Ich sensibilisierte mich für noch subtilere Feinheiten im Gespräch mit meinen Mandanten und Coachees. Nahm noch nuancierter wahr, wenn ein winziges Untertönchen im Zusammensein mit Freunden verlautbar wurde und sprach es an, wenn es sinnvoll erschien. Mir wurde bewusst, dass mein gesamtes Leben von Verbindlichkeit durchzogen ist und wirklich alles, was ich tue und lasse, Beziehung und Verbindlichkeit beinhaltet.

 

Verbindlichkeit ist, wo ich bin.

Ich bin Verbindlichkeit. Verbindlichkeit ist wie Selbstständigsein ein natürlicher Zustand. Verbindlichkeit kann bewusst gelebt werden. Sie kann genau so gut unbewusst gelebt sein. Oder sie existiert nicht. Dann ist die Kommunikation zwischen Selbst und Ich gestört. Dann ist es auch keine Lüge im Sinne von Platon, sondern eine abgewandte Haltung oder ein brach liegendes Potenzial.

 

Verbindlichkeit ist Geben.

Ich bin und gebe, was ich bin, was dem Augenblick, der Situation, der Beziehung innewohnt und gemäß ist. Bin ich das nicht, verweigere ich mich mir und der Beziehung. Selbst wenn eine Situation für mich vollkommen neu ist, ich nicht weiß, wie es geht und wohin es führt, kann ich in diesem Moment das Bestmögliche sein und einbringen.

Wenn ich gebe, was zu geben ist, bin, was mir möglich ist, erfülle ich. Das ist der Sinn von Verbindlichkeit. Eine Verbindung, die ich eingegangen bin, wird erfüllt. Punktuell handelt es sich um Einzigartigkeit. Eine einmalige Begegnung, ein Blick, ein Wort. Vorbei, verweht, nie wieder, wie es in Kurt Tucholskys Augen in der Großstadt heißt. Doch selbst dieser Bruchteil einer Sekunde hat Folgen.

Wie folgenreich ist dann die Verbindlichkeit einer gelebten Minute, eines Tages, eines Jahres? Wie verbindlich lebe ich heute, morgen und übermorgen mein Leben? Wie verbindlich habe ich bisher und am Ende meines Lebens dieses Leben gelebt? Diese Fragen sind Lebensfragen. Vorbehaltlos und allumfassend.

 

Wie verbindlich betreibe ich meine Selbstständigkeit?

An welchen Stellen liegen meine Potenziale brach? Wie kann ich diese verbindlich einsetzen und entfalten? In welchen Lebens- und Arbeitsbereichen (er)lebe ich durch Verbindlichkeit eine tiefe Zufriedenheit und Erfüllung?

selbst_werte_brigitte_windt_2016

Werte sind Orientierungsqualitäten aus nächster Nähe, die Menschen aus ihrer Umgebung, ihrer Herkunftsfamilie und ihrem Kulturkreis aufnehmen, die sie mit offenem Geist erweitern und vertiefen können.

Werte sind Weisheiten, die Menschen unabhängig von äußeren Prägungen in sich selbst finden, sich an ihnen aufrichten und entfalten können.

Werte sind unmittelbare Nachbarn unseres Selbst. Und weil Menschen ihre Haltungen und Handlungen aus ihren Werten ableiten, wünsche ich Ihnen und mir, dass wir unsere Werte würdigen, prüfen und sie und uns stets auf dem Laufenden halten.

Autor: Brigitte Windt

Brigitte Windt ist Unternehmensberaterin, Coach und Autorin von MACH DICH SELBSTSTÄNDIG! Das Praxishandbuch für Gründerinnen und Karrierefrauen, 240 Seiten, Verlag Ariston 2015. In Beratungen, Vorträgen und Workshops appelliert sie an den natürlichen Zustand des Menschen, das Selbstständigsein, eröffnet Wege für originäres Denken, Fühlen und Handeln und bringt auf den Punkt, was wesentlich ist und umgesetzt werden will. In ihrem Blog veröffentlicht sie Texte, Tipps, Tools und Illustrationen für Selbstständige und für alle die, die es (wieder) sein wollen.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


*